Allein die Frage fühlt sich schon etwas subversiv an. Aber in einer Demokratie darf man sie wohl stellen, glaube ich. Gleich schreit schon einer aus der finstersten Ecke meines Hinterkopfs, von dort, wo die Schulbildung begraben liegt: „Wohl nicht aufgepasst in Sozialkunde!“
Doch so was mit der „Herrschaft des Volkes“, „Meinungsfreiheit“ und „freie Wahlen“ hat mir der westdeutsche Bildungskonsens, als wichtige und richtige Schlüsselworte für die nächste Klausur, in diese Kortexwindungen eingemeiselt. Und dass die Deutsche Demokratische Republik gar nicht demokratisch war, obwohl sie so hieß. Aber damals hab ich nicht nachgefragt, ob das dann in der BRD die demokratisch nicht mal im Namen trägt, vielleicht auch nur eine Mogelpackung sein könnte. Für die mündliche Note wäre das auch kein guter Redebeitrag gewesen. Meinungsfreiheit fängt erst mit 18 an, dachte ich.
Vielleicht ist es am besten, wenn man sich bei Fragen zur Demokratie ehrfürchtig gegen Westen neigt und bei der Mutter aller Demokratien nach ihrem Exportschlager mit den internationalen Bombenerfolgen umhört.
Fragen wir einen der Vordenker, Walter Lippmann (* 23. September 1889 in New York; † 14. Dezember 1974), Pulitzer-Preis-Träger und Berater des US-Präsidenten Woodrow Wilson.
Laut Lippmanns Demokratieverständnis besteht eine intakte Demokratie also aus zwei Klassen. Die sehr kleine Klasse der “Spezialisten” wird aktiv mit den Angelegenheiten des Allgemeinwohls betraut. Diese Männer analysieren die Lage der Nation und treffen Entscheidungen auf politischer, wirtschaftlicher und ideologischer Ebene. Ihr gegenüber steht die Klasse der den Spezialisten überlassenen “Handlungsobjekte”, nach Lippmann die “verwirrte Herde”, vor deren Getrampel und Gelärm die Spezialisten geschützt werden müssen. In seinen Essays zur Demokratie fordert er, dass nur die spezialisierte Klasse für die “Herausbildung einer gesunden öffentlichen Meinung” Sorge tragen darf, weil die Öffentlichkeit lediglich aus “unwissenden und zudringlichen Außenseitern” besteht.
In einer funktionierenden Demokratie hat die Masse der Menschen (“die Herde”) laut Lippmann lediglich die Befugnis, die Spezialisten zu wählen und den Rest der Zeit mit “Grasen” zu verbringen.
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Noam Chomsky sagt in einem Interviewe über Lippmann:
Actually, I should say, the term „manufacturing consent“ is not mine, I took it from Walter Lippmann, the leading public intellectual and leading media figure of the twentieth century, who thought it was a great idea. He said we should manufacture consent, that’s the way democracies should work. There should be a small group of powerful people, and the rest of the population should be spectators, and you should force them to consent by controlling, regimenting their minds. That’s the leading idea of democratic theorists, and the public relations industry and so on, so I’m not making it up. In fact, I’m just borrowing their conception, and telling other people what they think. But, yes, that’s very important, and, yes, there is hope, I think. Ordinary common sense suffices, no special training, like my uncle, to unravel this and see what’s really happening. I don’t think it’s hard to discover that the U.S. is a leading terrorist state; in fact, it’s obvious.
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Ok, nein… das war es nicht, was mir im Sozialkundeunterricht erklärt wurde. Aber die Amis werden es schon richtig machen. „Wer hat’s erfunden?“
- [1]Seite „Walter Lippmann“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. Juni 2009, 17:33 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Walter_Lippmann&oldid=61154148 (Abgerufen: 14. Juni 2009, 23:24 UTC)
- [2] Transkript: Noam Chomsky Interview: Conversations with History; Institute of International Studies, UC Berkeley (Abgerufen: 14. Juni 2009)
Noam Chomsky Interview: Conversations with History; Institute of International Studies, UC Berkeley
Schlagworte: Chomsky, Demokratie